Städtische Kampfansage gegen das Artensterben

Mehr biologische Vielfalt in der Stadt Zirndorf

Terminologien wie „vom Aussterben bedrohte Arten“ werden gedanklich in erster Linie mit Tieren in Entwicklungsländern oder weit entfernten Regionen wie der Arktis verknüpft. Das mindert freilich nicht das Entsetzen über das fatale Resultat, schafft alleine auf Grund der räumlichen Distanz aber zunächst doch ein wenig „Erleichterung“. Tatsächlich ist aber auch Deutschland von aussterbenden und vor allem gefährdeten Tier- und ganz besonders Pflanzenarten betroffen. Um diesem Trend, der für die Menschheit langfristig eine existenzielle Bedrohung darstellt, entgegenzuwirken, verfolgen auch die Servicebetriebe der Stadt Zirndorf seit Jahren das Ziel, die Biodiversität, also die biologische Vielfalt im Stadtgebiet zu steigern.

Begonnen haben die Maßnahmen mit dem Anlegen von großen Streuobstbeständen im gesamten Stadtgebiet, die unter anderem im Rahmen der Aktion „Garten des Lebens“ noch immer weiter geführt werden und sich auch bei der Bevölkerung größter Beliebtheit erfreuen. Gesetztes Ziel ist es, vorher intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in so genannte „naturnahe Magerstandorte“ umzuwandeln. Ralf Klein, Leiter der Service Betriebe Zirndorf, begründet diese Zielsetzung mit der höheren Pflanzenvielfalt auf abgemagerten Flächen. So wachsen auf mageren, nährstoffarmen Böden einfach naturgemäß mehr Arten und schwächeren Arten werden mehr Chancen geboten. Außerdem bieten die extensiv gepflegten Wiesen bodenbrütenden Vogelarten Nistmöglichkeiten. Auf diese Art und Weise fanden bisher schon 850 Obstbäume auf etwa 57.000 m² ökologisch wertvoller Fläche einen Standort.

Mehr als nur ein Augenschmaus
Eine weitere Maßnahme für mehr Artenvielfalt ist das Anlegen von Blumenwiesen. Hier ist zwischen mehrjährigen und einjährigen Saatmischungen zu unterscheiden. Letztere werden hauptsächlich im urbanen Straßenraum angelegt und bieten in erster Linie optische Reize. Natürlich dient auch diese bunte Blütenpracht vielen Insekten als Nektar.
Die ökologisch wertvollere Variante stellen die ausgesäten Mischungen auf größeren Flächen, wie im Weiherhofer Weg oder in der Goethestraße, dar. Bei diesen Saatgutmischungen, die meist noch mit Stein- und Totholzhaufen bestückt und mit großkronigen Bäumen bepflanzt werden, handelt es sich um mehrjährige oder ausdauernde Wiesenmischungen wie die Veitshöchheimer Bienenweide oder autochthones, sprich gebietsheimisches Saatgut. Die so geschaffenen Lebensräume bieten Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen, vielen Insektenarten und Bodenbrütern, wie dem Kiebitz, ein Zuhause.

Seit 2016 läuft parallel noch ein weiterer Versuch, die Artenvielfalt zu steigern. Getreu dem Motto „einfach mal was stehen lassen“ wird entlang der Gemeindestraßen nicht mehr großflächig das ganze Bankett abgemäht. Wo verkehrstechnisch möglich, werden Flächen unterjährig nicht mehr gemäht, sondern abschnittsweise oder nur beim letzten Schnitt vor dem Winter mitbearbeitet. Herauskommen große Flächen, die wiederum der heimischen Flora und Fauna zur Verfügung stehen. Das ungewohnte Ergebnis mag rein optisch auf den ersten Blick „vergessen“ und gar befremdlich wirken, ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit aber durchaus beabsichtigt. Flächen, die oftmals – natürlich rechtswidrig – als Hundeklo zweckentfremdet wurden und auch optisch nichts zu bieten hatten, beherbergen heute Wildblumen und ganze Bienenvölker.

Natürlich kann eine Kommune nicht alle Nachteile kompensieren die im Zusammenhang mit Flächenversiegelung und intensiver Landwirtschaft zwangsläufig entstehen, aber eine Stadt wie Zirndorf birgt erhebliche Ressourcen für mehr Artenvielfalt, übrigens auch in den Gärten ihrer Bürger.

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