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BLECHSPIELZEUG MADE IN ZIRNDORF

Konrad Frauenschläger gründete im Jahr 1840 den ersten Spielwarenbetrieb in Zirndorf. Bei seinen ersten Produkten handelte es sich um einfache Hammerschlottern. Diese Babyrasseln wurden aus Zink oder Aluminium hergestellt und mit Kieselsteinen gefüllt. In den folgenden Jahrzehnten folgten einige Gürtlermeister und Spielwarenflaschner seinem Beispiel und bezeichneten sich ab 1870 gerne als Spielwarenfabrikanten. In der Umgangssprache werden sie heute noch als „Blechbadscher“ bezeichnet.

In den sogenannten „Gründerjahren“ des Deutschen Reiches (1870-1890) kam es neben vielen kleinen, zum Teil nur kurzlebigen Handwerksbetrieben zu bedeutenden Firmengründungen. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden über 30 Spielwarenbetriebe registriert, darunter die Firmen Geobra, Bolz, Zimmermann, Seidel, Schuhmann und Geiger.

Neben den traditionellen Zirndorfer Schlottern hatte man sich besonders auf Kreisel, Spar- und Musikdosen, Kinderkochgeschirre, Blechtrompeten und Sandspielzeug spezialisiert. Auch zahlreiche Haushaltswaren aus Blech fanden sich in ihrem Sortiment. Nahe der beiden Industriestädte Fürth und Nürnberg wandelte sich Zirndorf binnen weniger Jahrzehnte von einer bäuerlichen Gemeinde zu einem Industrieort der Metallwarenbranche.

Während des Ersten Weltkrieges mussten auch in Zirndorf viele Betriebe schließen oder auf die Produktion von Rüstungsgütern umstellen. Erst 1925 hatte sich die mittelfränkische Wirtschaft insgesamt von den Kriegsfolgen erholt. Trotz eines abermaligen Rückschlages durch die von hoher Arbeitslosigkeit begleitete Weltwirtschaftskrise (1929-1933) erhöhte sich die Zahl der metallverarbeitenden Firmen am Ort nach 1933 noch einmal auffallend. In dieser Zwischenkriegszeit wurden Firmen wie Erdel, Fuchs, Schopper, Ruff und Voit gegründet.

Da Zirndorf, anders als Nürnberg, im Zweiten Weltkrieg von direkten Kriegsschäden verschont geblieben war, konnte man nach 1945 rasch an die Vorkriegsproduktion anknüpfen. Jedoch hatten inzwischen die Spielzeugindustrien Englands und Japans stark an Bedeutung gewonnen. Mit technisch perfekten Kopien deutscher Erzeugnisse wurden die Japaner zu einem immer stärkeren Konkurrenten auf dem Weltmarkt.

Auch der Siegeszug des Kunststoffs bedeutete für viele Zirndorfer „Blechbadscher“ das Aus, und so ging nach ca. 100 Jahren das klassische Zeitalter des Blechspielzeugs in den 1960er Jahren zu Ende.

Die in Zirndorf noch in den 1980er und 1990er Jahren verbliebenen Firmen, wie z.B. Geobra Brandstätter (Playmobil) und Fuchs (Spielstabil), stellten ihre Produkte fast alle auf Kunststoffverarbeitung. Andere, wie die Firmen Schopper und Rohrseitz, schufen sich ein weiteres Standbein in der Metallverarbeitung mit Blechverpackungen oder Autozubehör.

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